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07.05.2008

Potenzial für Tourismus

Höhlenforscher stellten die Bleßberghöhle vor

Rauenstein – Kein Platz war in der Gaststätte Urmel in Rauenstein mehr frei, als am Freitagabend die Höhlenforscher begannen, das vorzustellen, was selbst sie als Fachleute immer wieder in Erstaunen versetzte – die Bleßberghöhle. Mit gehöriger Spannung hatten viele Einheimische der Veranstaltung – sie wurde gemeinsam durch die Kreisheimatpflege und die Volkshochschule Sonneberg organisiert – entgegengesehen, um etwas darüber zu erfahren, was beim Bau eines Tunnels für den ICE zutage gekommen ist (Freies Wort berichtete). Jens Leonhardt aus Suhl und Jens Seidler aus Rabenäußig hatten es unternommen, die Gäste in eine Wunderwelt unter Tage zu entführen.

Und die Erwartungen im Vorfeld wurden denn auch nicht nur erreicht, sondern übertroffen. „Schon unser erster Eindruck war überwältigend“, bemerkte Leonhardt. Da gab es Tropfsteine, ganz junge und dünne noch, die von den Fachleuten „Makkaroni“ genannt werden. Doch schon die Länge überraschte 2,5 Meter Länge, das gibt es selten. Dazu auch noch richtige Exoten – Tropfsteine, die entgegen der Schwerkraft „wachsen“. „Inzwischen beschäftigen sich Wissenschaftler aus der Schweiz mit dem Phänomen“, erklärte Seidler. Und dann aber kommen noch dazu die Dimensionen – Räume mit einer Höhe von bis zu zwölf Metern.

Der Tunnel hatte die Höhle, die in etwa parallel der so genannten „Fränkischen Linie“, an der Schiefergebirge und Mittelgebirgsvorland verläuft, genau an einer Stelle getroffen, an der zwei verschiedene Entwicklungsstadien aufeinander treffen – ein älterer Teil im Osten, ein jüngerer im Westen. Wässer, die aus dem Schiefergebirge vordringen und Kohlendioxid aufnehmen, treffen auf den Kalk des Schalkauer Gebietes und beginnen ihn auszuhöhlen. Das ist ein Vorgang, der schon Millionen Jahre anhält und auch heute noch weitergeht. Wasser höhlt den Kalkstein aus, schafft bizarre Gebilde und lagert immer wieder neue Gesteinsschichten ab. Aushöhlen und „Wiederzuwachsen“ der Höhlen lösen sich ab.

Für die Höhlenforscher war das aber nicht nur ein Glückstreffer, es war auch mit viel Arbeit verbunden. „Zuerst dachten wir an einen Aprilscherz“, räumte Höhlenforscher Leonhardt ein, als ihn genau am 1. April der Nachricht der Baufirma ereilte, die für den Tunnelbau verantwortlich war. Da hatten die Tunnelbauer schon 500 Kubikmeter Beton in eine Öffnung hineingepumpt, die sich überraschend aufgetan hatte. Nur wenig Zeit blieb den Höhlenforschern, wenige Stunden nur, in denen sie durch eiskaltes Wasser wateten und schwammen, fotografierten und kartierten. Es folgten Tage der Unsicherheit, dann schließlich die Zusage der Behörden und Bauleute, dass sie die Höhle erkunden durften. Bei der Erkundung der zweiten Hälfte der Höhle hatten sie dann schon mehr Zeit.

Indessen, die Höhlenforscher sind weder Beamte noch unterhalten sie ein Unternehmen Namens Höhlenforschung – sie arbeiten ehrenamtlich.

Und alleine das ließ die Zuhörer schon aufhorchen. „Fühlt sich denn da niemand zuständig?“, fragte eine Frau ganz spontan. Die Höhle sei tatsächlich ein juristisch schwieriges Terrain, räumte Höhlenforscher Leonhardt ein. Die Naturschutzbehörde habe sich nicht zuständig gefühlt, eher treffe schon der Charakter eines so genannten Geotops zu, also einer geologisch schutzwürdigen Gesamtheit. Allerdings sei man da insgesamt noch am Anfang und müsse abwarten, wie sich die Behörden nun positionieren würden.

Am Ende gab es noch ein Video, das mit dem spontanen Ausruf eines der Höhlenforscher endete: „Die Höhle hat ohne Zweifel das Potenzial zur Schauhöhle.“ Das Stichwort war damit gegeben und in der Diskussion kam natürlich die Frage nach der Erschließung der Höhle auf. „Zuerst einmal muss man die Höhle Vermessen“, erklärte Leonhardt. Danach könne man klären, ob eine touristische Erschließung möglich sei, was allerdings auch von den zur Verfügung stehenden Mitteln abhängig sei.

„Was können wir tun?“, lautete die Frage, die am Ende der Diskussion aufkam. Nichts halten die Höhlenforscher von Robin-Hood-Aktionen a la Tunnelbesetzung, wie schon einmal ein paar Einheimische vorgeschlagen hätten. „Wir stehen in Kontakt mit den zuständigen Behörden“, bemerkte Leonhardt, der dafür plädierte, die Möglichkeiten, die Höhle bis September zu erkunden, auch zu nutzen. „Helfen können Sie uns aber trotzdem“, bemerkte Leonhardt. Wichtig sei, dass die Einheimischen ihr Wissen über Zugänge ins Erdinnere, Erdfälle oder andere Besonderheiten ihnen zukommen lassen. Wer etwas weiß, kann dies den Höhlenforschern mitteilen, indem er einfach eine Nachricht in der Gaststätte Urmel hinterlässt. Wegen der großen Nachfrage soll der Vortrag in den nächsten Wochen wiederholt werden.


 
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